Der Beginn

1996 – das ist das Jahr, in dem Steffi Graf gegen Ende ihrer langen Tenniskarriere noch mal die Grand Slam-Turniere von Paris, Wimbledon und New York gewinnt. Eine neue Rechtschreibreform stiftet Verwirrung und Prinz Charles und Lady Diana lassen sich scheiden.

Auf der großen Bühne der Politik ist eine Umweltministerin im Amt, die vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl gönnerhaft als „mein Mädchen“ bezeichnet wird. Ihr Name: Angela Merkel.

Auf kleiner politischer Bühne, im oberbayerischen Taufkirchen (Vils), treten im Frühjahr 1996 bei den Kommunalwahlen sechs Bürgermeisterkandidaten an. Erstmalig und für die CSU auch Franz Hofstetter, der zwar die meisten Stimmen, aber keine absolute Mehrheit erhält. In der Stichwahl setzt er sich dann deutlich gegen den Republikaner Martin Huber durch.

Und es gibt noch eine Poststelle in der Kellerstraße, bei der Postwurfsendungen eingeliefert und am nächsten Tag zugestellt werden. Aber dazu später mehr.

In diesem ereignisreichen Jahr erscheint auch die erste Ausgabe des Kompass – so heißt seit Juni 1996 das offizielle Mitteilungsblatt der Gemeinde Taufkirchen (Vils).

Die Idee

Es war eines der ersten Projekte des neuen Bürgermeisters Franz Hofstetter: Ein neues Kommunikationsmedium sollte das alte Amtsblatt ablösen und den Informationsfluss zwischen Rathaus und Bürgern deutlich verbessern. Hauptzielsetzung war, die Arbeit des Gemeinderates, der Rathausverwaltung und des Bürgermeisters möglichst umfassend, verständlich und nachvollziehbar darzustellen und transparent zu machen.

Und es sollte gezeigt werden, dass man nicht nur mit Skandalmeldungen, so die Lehrmeinung der Medienbranche, sondern auch mit sachlichen, interessant aufgemachten Informationen eine breite Leserschaft erreicht – zumindest lokal.

In einem neu erarbeiteten Konzept wurde von Anfang an großer Wert auf inhaltlichen Aufbau, Gestaltung – mit Fotos und Abbildungen – und sprachliche Darstellung gelegt. Und es wurde ein griffiger Name gefunden: Kompass. „Der Name hat Symbolcharakter: Ein Instrument, das hilft sich zu orientieren“, so ein Auszug aus der Titelkolumne der ersten Ausgabe.

Ausgearbeitet und umgesetzt wurde das Konzept für das neue, monatlich erscheinende Mitteilungsblatt von einem Team um Bürgermeister Franz Hofstetter, zu dem die Pressesprecherin des Rathauses, Renate Bauer, sowie Sepp Moser vom gleichnamigen DTP-Büro und Josef Hirschböck gehörten.

Grundzüge des Konzepts

Inhalt

  • Amtliche Texte (Gemeinderat, Rathaus, Bekanntmachungen)
  • Nichtamtliche Informationen aus dem Gemeinde­bereich, Termine und Veranstaltungen
  • Kolumne auf der Titelseite als Anreiz zum Weiterlesen

Aufmachung und Layout

  • Titelseite mit Kopfteil und Inhaltsangabe
  • Einteilung in feste Rubriken zur besseren Übersicht
  • Bilder und Grafiken (Pläne) für Zusatzinformationen
  • Einheitliche Kopfzeilen und Überschriften
  • Anzeigenseiten für teilweise Finanzierung

Sprache

  • Verständliche „Übersetzung“ von trockenen amtlichen Texten
  • Flüssiger, leserorientierter Stil

Die Umsetzung

Am 10. Juni 1996 erschien also die Erstausgabe des neuen Blattes. Der Umfang war 8 Seiten, nicht geklammert, der Druck zweifarbig: Schwarz und Rot, wobei die zweite Farbe bis heute jährlich wechselt.

20 Jahre ist das nun her. Das bewährte Konzept, die Aufmachung, der Erscheinungstermin und auch die monatlichen Redaktionssitzungen sind nahezu gleich geblieben.

Ansonsten haben sich kontinuierliche Anpassungen ergeben. Der Umfang liegt mittlerweile bei fast regelmäßig 24 Seiten: Es sind mehr Meldungen und Informationen aus dem Gemeindebereich hinzu gekommen, dazu Vorstellungen von Vereinen und Betrieben. Der Sozialbereich, darunter vor allem das Mehrgenerationenhaus, hat eine breite Informationsplattform erhalten, für zahlreiche Veranstaltungen gibt es Detailinformationen.

Es geht auch nicht immer bierernst zu: In einer Ausgabe zur Faschingszeit kam schon mal ein Aufruf für Vorschläge zur Nominierung „Goldene Nervensäge“ …

Mehrere Sonderausgaben und -veröffentlichungen erschienen zu Themen wie Bauen in Taufkirchen (Vils), 50 Jahre himolla, Gewerbeschau Innova, Volksfest, BSE-Krise, Umfahrung der B 388 und Mineralwasserwerk.

Und die Zahl der Anzeigen, mit denen die Herstellungskos­ten zum Teil finanziert werden, ist gestiegen. Was ein weiteres Indiz dafür ist, dass der Kompass eine gern gelesene Lektüre ist.

Eine offizielle Bestätigung seiner Qualität erhielt der Kompass Ende 2000 mit der Auszeichnung als bestes Amtsblatt Bayerns, gefolgt von der Stadt Fürth und der Kurgemeinde Bad Feilnbach. Die Begründung ist noch immer online nachzulesen unter www.kompass-taufkirchen.de.

Das Team 2001 freute sich über die Auszeichnung, von links: Josef Hirschböck, Maria Gaigl, Bürgermeister Franz Hofstetter, Sepp Moser und Renate Bauer. (Archivfoto)

Diese Online-Ausgabe – die erste ihrer Art im Landkreis, vermutlich auch in Bayern – gibt es übrigens seit Januar 2001: Mit Navigation, Archiv und Volltextsuche. Zu dieser Zeit waren große Tageszeitungen noch auf der Suche nach geeigneten Darstellungsformen.

Die Macher

Der Personenkreis, der bei der Erstellung einer Kompass-Ausgabe mitwirkt, variiert. Das Kernteam besteht aus Bürgermeister Franz Hofstetter, Renate Bauer und Sepp Moser, die sich zu den monatlichen Redaktionssitzungen treffen. Dazu kommt Peter Heim, der als Nachfolger von Josef Hirschböck seit 2002 die Titelkolumne schreibt. Auch wenn sie vereinzelt polarisiert: Die Titelseite ist ein Aufhänger und ein Grund, warum viele Bürger auf die nächste Ausgabe warten.

Das Redaktionsteam

Bürgermeister Franz Hofstetter

leitet als Herausgeber die monatlichen Redaktions­sitzungen und legt die Auswahl der Inhalte fest.

Renate Bauer

ist für den redaktionellen Teil sowie die Auswahl und Erstellung der Texte zuständig, wobei die „Übersetzung“ vom Behördendeutsch amtlicher Mitteilungen in verständliche Sprache ein ständiger Spagat ist. Bei ihr laufen alle Inhalte zusammen, auch Pläne und Bildmaterial.

Sepp Moser

ist für das Layout, die Einteilung und Zusammenstellung der Artikel sowie den Satz und die Druckvorstufe zuständig. Teilweise erstellt er nichtamtliche Texte und führt redaktionelle Arbeiten, vor allem die Schlussredaktion durch.

Zum erweiterten Kompass-Kreis gehören einige Praktikantinnen, die fallweise nichtamtliche Artikel recherchieren und verfassen, Texte zusammenstellen und Korrektur lesen.

Theresa und Johanna Huber, Julia Purschke und aktuell Carolin Stanglmayr gehörten bzw. gehören dazu. Seit 2015 liefert Christine Schick Texte und Fotos für Betriebsvorstellungen. Dazu kommen zwei bis drei Angestellte im Rathaus, die nach Verfügbarkeit Korrektur lesen.

Reproarbeiten und Filme wurden bis Mitte 2009 vom Grafikbüro Pabst in Dorfen erstellt. Danach war die Druckerei Präbst, ebenfalls in Dorfen, dafür zuständig. Dort wird der Kompass auch gedruckt, in einer Auflage von mittlerweile 5.000 Stück.

Nicht zu vergessen Amtsbote Sepp Maierthaler, der zu vordigitalen Steinzeiten Korrekturausdrucke per Auto zwischen Rathaus und Dorfen hin und her beförderte und die fertigen Druckexemplare zu den Austrägern in Taufkirchen (Vils) und zur Post brachte.

Das Problem

Damit sind wir bei einem leidigen Thema: Wie bringt man Druckerzeugnisse zu den Empfängern? Aus Kostengründen ist der Kompass als Postwurfsendung an alle Haushalte deklariert. Früher wurden große Teile des Ortsbereichs mit Austrägern bedient. Seit Jahresbeginn wird die komplette Ausgabe durch die Post verteilt.

Und das wird immer „besser“. 1996 wurde die Sendung noch in der Poststelle in der Kellerstraße eingeliefert und als Postwurfsendung bezahlt sowie tags darauf von den Zustellern verteilt. Später folgten mehrere, von sogenannten Postmanagern verordnete „Optimierungen“: Einlieferung in Erding bzw. Landshut sowie Rücktransport zum Verteilerstützpunkt Taufkirchen (Vils) in der Reckenbacher Straße – mit einem Spielraum von bis zu vier Tagen für die Zustellung.

Seit Jahresbeginn wird der Wahnsinn Methode: Die gedruckte Ausgabe muss eine Woche vor Verteilung bei der Post angemeldet und bei der Druckerei abgeholt werden. Danach reist die Sendung angeblich aus Kosten- und Logistikgründen in östliche Nachbarstaaten, wird dort mit anderen Postwurfsendungen sortiert und zurück nach Deutschland gebracht, in unserem Fall zunächst nach Landshut und anschließend nach Taufkirchen (Vils). Verteilung eine Woche später – im Glücksfall: Die Post garantiert nichts mehr. Angesprochen fühlen sich bitte nur Bosse, nicht die Zusteller.