WAS UNS DIE FASTENZEIT GELEHRT HÄTTE …

… UND WIE WIR OSTERN AUCH FEIERN KÖNNTEN

Wenn wir in ein paar Tagen Ostern feiern, wird wieder viel von Erlösung und Auferstehung, Gott und der Welt die Rede sein. Ich möchte hier einmal (fast) ganz bei und in der Welt bleiben. Und trotzdem die drei großen Weltreligionen zu Rate ziehen.

Unsere islamischen Mitbürgerinnen und Mitbürger haben gerade ihre Fastenzeit, den Ramadan, beendet. Für die Christen endet sie auch bald. Und auch wenn wir das Fasten mit der Rückbindung – Religion – ans überirdisch Göttliche begründen mögen: wir tun’s letztlich ja doch für unser ganz irdisches mentales und körperliches Wohl. Sich bewusst werden, dass wir normalerweise zu viel davon, zu viel hiervon konsumieren. I(s)st nicht gut.

In Marokko hab’ ich’s neulich eindrücklich erlebt: wie sehr die Menschen dem Abend entgegenfiebern, welch Leuchten in die Augen tritt, wenn das Fastenbrechen näher rückt, nachdem man den ganzen Tag nichts gegessen und getrunken hat. Wie sich Straßen und Gassen leeren, wenn der gedeckte Tisch ruft und die Muezzine den Sonnenuntergang verkünden! Man wird sich bewusst, welch lebenswichtige Feier das Essen ist!

Das gemeinsame Mahl ist eigentlich auch ein zentrales Element des Christentums.

Ganz profan, man muss dabei nicht gleich an die Eucharistie denken. Bewusst essen, Mahl halten mit Freunden oder der Familie – wir sollten es wahrlich öfter zelebrieren!

Ein Unterschied zwischen Judentum und Christentum ist, dass sich ersteres um ein gottgefälliges und gutes Leben auf Erden bemüht, während zweiteres eher darauf fixiert ist, die wahre Götterspeise erst im Himmel aufgetischt zu bekommen.

Und da haben die Christen ihren Christus möglicherweise etwas missverstanden … Denn als jüdischer Messias – als nichts anderes beschreiben ihn die Evangelien! – hat Jesus die uralte Sehnsucht der Juden verkörpert, dass Gott nun sein Reich, seine Herrschaft auf Erden errichtet und dass auch die Völker der Erde diese Zeitenwende erkennen und mitmachen.

Erlösung und Auferstehung sollten wir vielleicht weniger als Sonderangebot für unsere Himmelfahrt betrachten, sondern ein bisschen mehr irdisch: Essen und trinken, lieben und leben wir! So, dass die ersehnte Zeitenwende endlich wahr wird! Die Fastenzeit hätte uns durchaus zeigen können, wie wir erlöst werden von so allerhand Zwängen und bereit wären für eine ganz und gar irdische Auferstehung! _Markus Tremmel