Bilder aus vergangenen Tagen – Die „Häuslmo-Naan“ aus Breitenweiher

Eine mutige, couragierte Frau im Widerstand gegen die Nationalsozialisten

Anna Holzmann, die „Häuslmo-Naan“, war eine Frau, die großen Mut bewies, als sie im Sommer 1944 in ihrem Haus in Breitenweiher die verfolgte Jüdin Berta Schöttler vor den Nazis versteckte.

Anna Holzmann war Witwe, ihr Mann war bereits in jungen Jahren bei einem Arbeitsunfall verstorben. Damit war sie auf sich allein gestellt und so werkelte sie von früh bis spät, um sich mit dem Anbau von Rüben, Kartoffeln und etwas Getreide das tägliche Brot zu verdienen.

Obwohl Anna Holzmann eine einfache Frau vom Land war, interessierte sie sich für Politik. Täglich verfolgte sie die Nachrichten am Volksempfänger. Als überzeugte Christin lehnte sie die Nationalsozialisten und Adolf Hitler entschieden ab und ihr war vollkommen bewusst, welch großes Risiko dies bedeutete.

Trotz eines spärlichen Auskommens nahm Anna Holzmann immer wieder „Kostkinder“ – das war die damalige Bezeichnung für Pflegekinder – auf und so war es naheliegend, dass der damalige Bürgermeister Georg Haberl gerade sie gebeten hat, der Jüdin Berta Schöttler, die aus Bochum stammte und über München und Velden nach Taufkirchen kam, Unterschlupf zu gewähren.

Anna Holzmann hatte ein großes Herz, das ihr sagte, dass sie die verfolgte Dame aus Bochum nicht den Nazi-Schergen überlassen dürfe. Sie nahm sie auf und hielt sie den ganzen Tag in der kleinen Stube versteckt. Bei Besuch flüchtete Berta Schöttler ins Dachgeschoss.

Zwei dreizehnjährige Mädchen, Christina Bachmaier aus dem benachbarten Bauernhof und das Pflegekind Hildegard Prediger, freundeten sich mit Berta Schöttler an. In einem Gespräch mit dem Dorfener Anzeiger im Dez. 2008 beschrieb Christina Bachmaier Frau Schöttler wie folgt: „Die Frau Schöttler war eine feine, gebildete und recht große Dame, knapp 50 Jahre alt und mit einem Gehstock. Ihr dunkelblondes Haar hatte sie im Nacken meist zu einem Knoten zusammengebunden. Sie hat mehrere Sprachen gesprochen und mir und der Hilde Lieder aus anderen Ländern und in fremden Sprachen beigebracht. Sie hatte so eine große Herzenswärme, Sensibilität und eine liebenswerte Ausstrahlung.“

Für Berta Schöttler waren die beiden Mädchen, so ist anzunehmen, ein Ersatz für ihre beiden innig geliebten eigenen Töchter Ingeborg und Marianne, die nach der Scheidung von ihrem Mann Heinrich Schöttler zunächst noch bei ihr in Bochum lebten, die sie dann aber, als die Juden in Bochum zunehmend gefährdet waren, zu Bekannten nach München schickte.

Hilde Prediger und Christina Bachmaier wussten, dass sie mit keiner Menschenseele über die Existenz der Geflüchteten reden durften. Schon gar kein Wort durfte in der Schule verloren werden, wo die Lehrer – die einen freiwillig, die anderen zwangsweise NSDAP-Mitglied waren.

Obwohl die Dorfgemeinschaft zusammenhielt und Unterstützung gewährte, wurde der Aufenthaltsort von Berta Schöttler bekannt und sie wurde am 7. August 1944 vom Landgendarm verhaftet. Selbst in dieser Situation versuchte Anna Holzmann noch zu helfen. Im Protokoll des Verhörs ist folgendes zu lesen: „(…) zugleich bittet sie (Anna Holzmann) aber, es möchte die Schöttler bis zur weiteren Verfügung vorerst bei ihr in Arbeit gelassen werden.

Zudem sei die Schöttler krank und könne infolge einer angeblichen, vor kurzem erfolgten Fußverletzung nur mit einem Stock gehen.“ Doch auch diese Bitte bewirkte nichts. Berta Schöttler wurde an die Gestapo München überstellt, dann ins KZ Dachau gebracht und dort noch kurz vor Kriegsende hingerichtet.

An sie erinnert ein „Stolperstein“, der im Rahmen einer Künstleraktion zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in ihrem Wohnort gesetzt wurde.

Wie sich später herausstellte, hatte ihr geschiedener Mann, Heinrich Schöttler, Oberfeldwebel bei der Wehrmacht, die weitere Suche nach seiner geschiedenen Frau initiiert.

Nach dem Krieg kamen die beiden Töchter noch einmal nach Breitenweiher, um sich bei Anna Holzmann für die Aufnahme ihrer Mutter zu bedanken. Nachfolgend hörte Anna Holzmann wiederholt den Namen Heinrich Schöttler im Radio. Als sie erfuhr, dass dieser überzeugte Nationalsozialist wieder in den Höheren Staatsdienst gekommen war, schrieb sie empört dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer einen Brief, der jedoch unbeantwortet blieb.

Anna Holzmann starb 1971. Sie war zweifellos eine bemerkenswerte Frau. Couragiert und mutig widerstand sie dem Nationalsozialismus, beschützte eine verfolgte Jüdin und setzte damit ihr Leben aufs Spiel. Dafür gebührt ihr großer Respekt und höchste Anerkennung. _ArchivTeam

Quellen:

Dorfner Anzeiger vom 24.12.2008

Jahresschrift 2009 des Historischen Vereins Erding e.V.

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    So 03.05.2026, 14.30 Uhr
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