UND WAS DIE OPTIMISTISCHE VARIANTE DER BEWEGUNG IST.

Bäume sind Wetten auf die Zukunft. Bekanntlich soll man ja heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen, selbst wenn morgen die Welt unterginge. Man nennt das auch Optimismus. Pessimismus ist, wenn man optimistisch davon ausgeht, dass das Schlechte passiert.
Insofern war die Internet-Challenge (Herausforderung), die neulich die Runde machte, nicht ganz das Schlechteste: Vornehmlich Jugendgruppen nominierten sich gegenseitig, als nächstes ein Bäumchen zu pflanzen. Ministranten aus der ganzen Gemeinde machten z.B. mit, aber der Aktion schlossen sich auch andere Vereine an, der Gewerbeverein pflanzte, das Rathaus schlug Wurzeln, die beiden örtlichen Banken investierten Bäume – und wir alle hoffen nun auf Zinsen aus der Natur. Wirklich?
Allzu schwer wäre es ja nicht, einen Baum zu setzen. Dass es so ein – wenn auch positives – Bohei drum braucht, zeigt, dass wir verlernt haben, die Natur natürlich im Alltag zu haben. Selbst Obstbäume, einst eine gehegte Quelle für Wintervorräte, sind uns heute eher lästige Verursacher von Dreck. Als vor ein paar Jahren Streuobstwiesen einen besonderen gesetzlichen Schutz erhalten sollten, waren
ganz schnell einige noch davor abgeräumt. Da ist ein bisserl was faul.
Seit 2020 gibt es das schöne Angebot der Gemeinde, dass jedes neugeborene Kind aus dem Gemeindebereich einen Lebensbaum mit auf den Weg bekommt. Wer keinen eigenen Platz für die Pflanzung hat, für den findet das Rathaus eine geeignete Stelle. 150 Lebensbäume sind seither gepflanzt worden. Mögen sie wie ihre Paten gedeihen und Früchte tragen!
Seit ältesten Zeiten symbolisieren Bäume die feste Verbindung zwischen Erde und Himmel, dazwischen sich das Leben abspielt. Für das Lebewesen Baum heißt das: ein Leben lang an der gleichen Stelle stehen, Tag und Nacht, stets jeder Witterung zu trotzen, jeden Herbst sich zurückzuziehen, um verlässlich im Frühjahr sich optimistisch aufs neue Jahr zu freuen. Alle Jahre wieder.
Ich glaube, davon können wir was lernen. Wir Menschen sind bewegliche Lebewesen. Und weichen gern aus, wenns unbequem wird. Etwas mehr Standhaftigkeit und Optimismus täte manchmal nicht schaden. Andererseits: Unsere Beweglichkeit ermöglicht uns auch, Dinge in Bewegung zu setzen. Das ist unsere Verpflichtung. _Markus Tremmel

