WAS UNS DIE KIRTAHUTSCHN ÜBERS LEBEN LEHRT

UND WARUM ES MANCHMAL ENG, MEIST ABER LOCKER SEIN DARF

Über den Kirta und seine Freuden haben wir an dieser Stelle schonmal geschrieben, über die Kirtahutschn noch nicht. Weil aber das Leben im Allgemeinen ein Auf und Ab, ein Hin und Her ist, mag die Kirtahutschn im speziellen ein fröhliches Abbild der großen Welt sein.

Sie ist eine Tradition, die in den letzten Jahren wieder an Schwung aufgenommen hat. Einst ist sie bei allem Moralgetue, was die Tradition gerne einmal so an sich hat, ein aus- und zugelassener Treffpunkt von Burschen und Dirndln gewesen: wo man sich allein schon der Zentrifugal- und Zentripetalkräfte wegen näher gekommen ist und die Dirndl vielleicht ganz froh waren, wenn der Bua sie ein bisserl kräftiger festgehalten hat – und umgekehrt. Zu späterer Stunde dann das schoßbasierte Broznhutschn (sehr sitz-, weniger sittsam) …

Die Alten haben eh nicht recht aufgepasst, 
weil sie beim Freibier saßen und der Pfarrer mit Mesner und Zimmerermeister tarockte und auch da aneinandergeriet. Die Welt ist deswegen nicht untergegangen – sie geht ja eher unter, wenn freudlose Typen sie regieren.

Die Kirtahutschn ist eine Tradition, die gern eng sein darf und soll – sitzt man zu locker drauf, hauts einen aus dem

Rahmen. Das gilt eben auch fürs Leben: ganz ohne Werte und Kompass (ja, auch dieses Heft!) verliert man Halt und Orientierung. Aber das Lockere und Beschwingende einer Hutschn mag auch für die Tradition selbst gelten: Sie soll uns in Höhen führen, nicht in die Hölle.

Neulich in Usbekistan und Tadschikistan hab ich erlebt, wie schwer sich eine Generation um die 30 tut, die etwas verloren noch in alten, gesellschaftlichen (Heirats-)
Vorschriften steckt und noch nicht die (wiederum etwas zu wurschtige und irrige) 
Kapitalismusmentalität der 20-Jährigen leben kann. Man muss vorsichtig sein, von 
außen recht gscheit über andere Länder und Sitten zu urteilen. Und ganz so lang sind solche Zeiten bei uns ja auch nicht her, wo sich irgendwelche fragwürdigen Orts-Instanzen anmaßten, die Deutungshoheit über Sitte und Moral zu haben. Bis heute tun das manche Traditionen, die nur deshalb Traditionen sind, weil sie nie jemand einmal hinterfragt …

Das Wort „hutschen“ wächst aus einer alten Sprachwurzel, die sich bewegt und die Perspektive wechselt. Sollte auch für 
Traditionen gelten: Solche, die das Leben fröhlich, lebens- und liebenswert machen, 
gefallen mir. Sie bremsen nicht, sondern bringen Bewegung ins Leben – wie die Kirtahutschn. _Markus Tremmel