Abschied von Schulleiter Josef Hanslmaier
Auch wenn die „Welt“, dargestellt durch den Steinbrunnen am Attinger Weg, gewissermaßen vor der Realschule Taufkirchen steht, so hat sich das Schulleben im Inneren auch in den letzten zwei Jahrzehnten mit ihr mitgedreht.
21 einhalb Jahre war Josef Hanslmaier, der jetzt in den Ruhestand verabschiedet wurde, ein wesentlicher Bestandteil im „Kosmos Realschule“, zuerst als Konrektor, in den vergangenen zehn Jahren als Rektor. „Ständige Aufgabe und Herausforderung war es, die Schule so aufzustellen, dass man die Schüler in die aktuelle Welt entlässt“, denkt er an einem der letzten Tage in seinem Büro an rund ein Drittel seines bisherigen Lebenslaufs zurück. Herausforderungen waren sicherlich die Digitalisierung und die sich damit ändernde Arbeitswelt. Die größte Herausforderung seiner Amtszeit war jedoch die Pandemiezeit. Hinzu kam der Schulalltag als Lehrer für Musik und Religion, als Personalchef, Ansprechpartner, Berater und bisweilen auch Verhandlungspartner mit dem Landkreis Erding als Sachaufwandsträger. Eine „Riesenaufgabe“, wie Josef Hanslmaier bekennt.

Besonders in der Beziehung zu den Schülern war es aber nie seine Art, einfach „den Takt vorzugeben“: „Ich habe immer versucht, einen offenen und ungezwungenen Umgang zu pflegen. Übermäßige Dominanz oder Autorität sind nicht das meine“, sagt der Musiker und Chorleiter.
Nach seiner Kindheit in Schwindkirchen, dem Internatsaufenthalt in Traunstein, Abitur am dortigen Chiemgau-Gymnasium und dem Zivildienst beim Rettungsdienst im Landkreis Erding studierte Hanslmaier an der LMU und der Musikhochschule in München Lehramt für Realschule mit der Fächerkombination Musik und Religion. Nach dem Staatsexamen und den ersten Unterrichtsjahren in Unterfranken zog es ihn wieder in Richtung Heimat. Waldkraiburg wurde für zwölf Jahre die erste längere Anstellung.
„Schulleitung ist eine Tätigkeit, die man zunächst nicht erlernt hat. In meinem Fall war aber das später absolvierte Studium zur Qualifizierten Beratungslehrkraft mitentscheidend und vorbereitend“, erzählte der scheidende Rektor.
2001 wechselte er als Konrektor nach Taufkirchen, zehn Jahre später, nach dem Weggang von Rektor Andreas Noll übernahm er die Schulleitung zunächst kommissarisch, ab 2012 offiziell. Durch sein Mitwirken kam das Wahlfach „Soziales Lernen“ in Zusammenarbeit mit dem Mehrgenerationenhaus zustande, auch mit dem Taufkirchener Seniorenheim und der Krankenpflegeschule des BKH knüpfte man enge Kontakte. Über die Berufsinformationstage hinaus half Hanslmaier, den für eine Schule zentralen Fördergedanken um ein vielfältiges freiwilliges Angebot zu erweitern.
Vor allem die Technik machte in dieser Zeit nicht Halt, weder vorm Pausenhof, noch vor den Klassenzimmern. Bei der ersten Ausstattung einer Klasse mit iPads vor sechs Jahren „haperte noch das WLAN“, erinnert er sich. Mit einer ersten freiwilligen digitalisierten Klasse war man aber „im Landkreis ganz vorne mit dabei“. Heute wird bereits die gesamte siebte Jahrgangsstufe mit Unterstützung digitaler Endgeräte unterrichtet.
„Eine sehr herausfordernde Zeit waren die Corona-Jahre, weil u.a. auch der Informationsfluss an die Schulen keineswegs optimal war“, denkt er in die jüngste Vergangenheit zurück. Wegen der ständigen Änderungen von Regelungen habe er auf dem Höhepunkt der Pandemie „so viele Elternbriefe geschrieben, wie in den zehn Jahren davor nicht“. Nachhaltigen Schaden nahm das Schulleben durch starke Gegensätze wie „Ignoranz einerseits und große Angst andererseits“ glücklicherweise nicht.
Mit Musicals und Weihnachtsbasar lebt ein Gemeinschaftsgeist wieder auf, den Hanslmaier stets befruchtet hat. „Es ist schön, wenn man sieht, wie sich die Schüler reinhängen, einen riesigen Aufwand betreiben. Denn man hat das Gefühl, dass Rahmenbedingungen geschaffen wurden, in denen etwas Sinnvolles, Gutes gemacht wird“, freut sich der Schulleiter. Gerade wenn sich seine Schüler um die Barrierefreiheit in der Gemeinde sorgten oder die SMV eine „Schule ohne Rassismus“ ausrief, erfüllt ihn das mit Stolz. Stolz auf eine gelungene Gemeinschaft, die er gleich zu Beginn seiner Amtszeit zur Losung machte. Josef Hanslmaier selbst formuliert es so: „Ich hoffe, dass ich in den zehn Jahren ein Schulklima ermöglicht habe, bei dem sich die Schüler gut zurechtgefunden haben und nicht „ungern“ die Mühen der Schulzeit bewältigt haben“.
Sich um Harmonie, Gedeihen und Wachstum kümmern, das wird er auch im Ruhestand. Als Imker, Obstgärtner und Leiter eines Kirchenchors. „Ich sehe keine Gefahr, dass mir die Aktivitäten ausgehen, und ich hoffe, dass ich meinen Hobbies noch einige Jahre nachgehen darf“, lacht Taufkirchens langjähriger Realschulrektor in merklicher Vorfreude. _Fabian Holzner
