Eine Ära geht zu Ende, und eine andere beginnt. Die Ära des Geschäftsmannes, des Herrn über
Bilanzen, Zahlen und Zinsen und seiner „rechten Hand“ ist vorüber, doch die Ära von zwei jetzt noch
enger verbundenen „Privatiers“ fängt an.
Adolf Kröll, bis Jahresende 2000 Vorstand der Raiffeisen-Volksbank Taufkirchen/Vils, geht nach 32
Dienstjahren zusammen mit seiner Frau Gerti, die es auf 29 Jahre Berufsleben gebracht hat, in den
Ruhestand.
Die Verdienste Adolf Krölls sind hinlänglich anerkannt und gewürdigt worden, deshalb wollen wir es
mit ein paar nackten Zahlen bewenden lassen, die noch einmal zeigen, was er für diese Bank geleistet
hat: 1968 Übernahme der Geschäftsleitung mit einer Bilanzsumme von sieben Millionen Mark,
Weitergabe an seine Nachfolger mit derzeit 400 Millionen. Was soll man noch mehr sagen.
Seine Frau Gerti, Vorstandssekretärin und Leiterin der Werbeabteilung,
hinterlässt der Gemeinde u.a.
den Heimatkalender, den hiesige Künstler gestalten, als festen Bestandteil der Förderung der örtlichen
Kultur.
Zwei Wochen sind die beiden jetzt, bei Abfassung dieses Artikels, im Ruhestand. Aber was heißt hier
eigentlich „Ruhestand“? Adolf und Gerti Kröll haben ihr Leben nie alleine nach der Arbeit
ausgerichtet, sondern immer schon darauf geachtet, dass es noch etwas anderes gibt, was ihnen eine
innere Balance gewährt. Von daher wird es sicher kein sinnentleertes Leben sein, das die beiden
führen werden. Sie haben viel vor: Reisen, die Geselligkeit pflegen und am Lagerfeuer sitzen, draußen
in ihrer herrlichen Oase in Wetzling.
1968 sind sie nach Taufkirchen gekommen, aus dem Landkreis Miesbach, die Kinder noch im Baby-
Alter. Erst wohnten sie im Haus der damaligen Volksbank, dem jetzigen „La Barca“, dann im
Bergmann-Haus, schließlich im Neubau der jetzigen Raiffeisen-Bank, im zweiten Stock.
Dieses nahe Beieinander von Beruf und Privat hatte zweifelsfrei seine Vorteile, aber: Wenn es nachts
einmal unerklärlicherweise irgendwo knackste, beschlich einen doch ein eher befremdliches Gefühl.
So nah am Geld, dem Objekt der Begierde, zu leben, lässt einen nachts etwas anders in den Keller
hinuntersteigen als in einem normalen Wohnhaus …
Dann kam der Umzug nach Wetzling – ein alter Bauernhof, fest in der Hand einer Kommune. „Du
spinnst ja!“- das hat Adolf Kröll nicht nur einmal zu diesem Thema gehört, doch wer heute das
Anwesen besucht, wird merken, dass die Haus-„Herren“ recht behalten haben damit: Eine Idylle, die
Ruhe und stille Heiterkeit ausstrahlt. Ein Platz, wo „die Banker“ ihren Ausgleich suchten und fanden,
mit der Beschäftigung im Garten, mit den Tieren, mit sinnlich wahrnehmbaren, lebendigen Dingen
anstatt der Zahlen und abstrakten Themen der Arbeit.
Der Neubau wurde damals nach baubiologischen Gesichtspunkten errichtet, und das war 1986 noch
lange nicht selbstverständlich – das war das zweite Mal, dass sich die Krölls gerne abermals für
verrückt erklären ließen. Das Holz für das Haus wurde selbst geschlagen, und zwar zur richtigen Zeit
(Mondzyklus). Gearbeitet wurde am Haus unter Einbringung altbewährter Techniken, welche die
damit befassten Handwerker erst einmal wieder ausgraben mussten. Heute ist das nichts Besonderes
mehr, aber damals – einfach verrückt.
Doch auch hier wie im Geschäftsleben gab der Erfolg den beiden Recht. Heute genießen die beiden
ihre Sauna, keltern Most, backen Brot, gehen zum Eisstockschießen, und Adolf Kröll brennt seinen
eigenen Schnaps.
Langeweile wird da nicht aufkommen, eher Zeit zum Verweilen, dort, wo man es will, und ein Leben
in einer selbst geschaffenen, auf die persönlichsten Bedürfnisse und Vorstellungen zugeschnittenen
Atmosphäre. Auch in Ehrenämtern, sei es im gesellschaftlichen oder kulturellen Bereich, kann man
sich kaum vorstellen, dass die beiden „Ruheständler“ ihr bisheriges Engagement zurückschrauben. Bis
demnächst also: Alles Gute, Gerti und Adolf Kröll!
