Die Wambacher Eichenlaub-Schützen feiern ihr 150-jähriges Gründungsjubiläum

Zeitlich ist’s kein Volltreffer. Die Wambacher Eichenlaubschützen haben beim 150-jährigen Gründungsjubiläum knapp danebengeschossen. Gezielt hätten sie durchaus richtig, aber die Pandemie hat den Diabolo um glatte zwei Jahre abgelenkt – so dass das Jubiläum jetzt 150 +2 heißt. Denn als sich einst eine kleine Runde – vermutlich beim Wambacher Wirt – traf, um die Eichenlaub-Schützen zu gründen, schrieb man das Jahr 1872.
Macht nix. Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Und so haben die Wambacher jetzt halt aufs Jahr 2024 gezielt und feiern am 24. und 26. Mai dieses Jubiläum Plus umso intensiver. Es ist, wie sich herausstellt, ohnehin ein zweifaches Jubiläum.
Wer damals in dem Ort am Rande des Wilden Ostens die Eichenlaubschützen aus der Taufe hob, verliert sich im Pulverdampf der Geschichte. Es existieren dazu keine Aufzeichnungen mehr. Die ältesten noch vorhandenen Belege setzen mit dem Jahr 1912 ein, von wo noch ein Buch mit den regelmäßigen Schießabenden erhalten ist. Allzu zielgenau scheinen die Flinten von damals nicht gewesen zu sein, schließt man aus der Trefferliste …
Ein erstes Foto mit unerschrockenen Männern unter ihren verwegenen Hüten datiert vom Endschießen 1929. Die dort abgebildete, neu angefertigte Schützenscheibe gibt es noch. Die Wambacher haben sie 1994 restauriert, ein schönes Zeugnis der Geschichte!
Fotos hat man auch schon von Theateraufführungen aus den 1930er Jahren, und die Schützen trafen auch sonst: den richtigen Ton. Zumindest gab es einmal einen Gesangsverein. Fröhlichkeit und Unbeschwertheit sollten jetzt allerdings nur noch wenige Jahre währen …

Aus dem Zweiten Weltkrieg kamen viele nicht mehr zurück, ihre Namen sind eingeschrieben ins Wambacher Kriegerdenkmal – wo schon jene zu lesen waren, die 30 Jahre davor in den Gräben und Gräbern fern der Heimat geblieben waren.
Es dauerte fast ein Jahrzehnt, bis sich 1954 die verbliebenen Alten und Jungen wieder aufrafften und den Verein neu belebten. Im November gab es wieder einen ersten Schützenabend, die 30 Schützen zahlten einen Jahresbeitrag von je einer Mark in die Kasse. Und so feiern die Eichenlaub-Schützen Wambach heuer ein zweites Jubiläum: 70 Jahre seit der Wiedergründung!
Die heute noch wehende Vereinsfahne ist 1961 geweiht worden, und 1972 gabs dann das 100-jährige Gründungsfest! Da rückte u. a. die Himolla-Blaskapelle an, Goaßlschnalzer aus dem Leitzachtal traten auf, und die Wagner-Buam sangen ihre Gstanzl. Lang ist’s her …

War einst der Schießstand noch jeweils in der Wirtsstube aufgebaut worden und kurbelte man später oben im Saal die Zielscheiben an Seilzügen hin und her, so konnte man den Schießbetrieb schließlich 1991 ins vor dem Wirtshaus neu gebaute Schützenheim verlegen. Dort wird bis heute geschossen, elektrisch betrieben und inzwischen mit Digitalanzeige. Moderne Gewehre und Pistolen haben auch nicht mehr viel gemein mit den Büchsen vergangener Tage.
Besonders lustig ging’s 1992 bei der Faschingshochzeit zu, gewiss eine Hoch-Zeit der Vereinsgeschichte. Wie auch wieder 1997 beim dreitägigen 125-jährigen Gründungsfest. Auch da hatte man schon die Tannengrün-Schützen aus Geislbach um die Patenschaft gebeten, woran die sich auch ein Vierteljahrhundert später noch wohlwollend erinnerten und jetzt ein neues Gesuch „nicht grundsätzlich“ ablehnen wollten. Es sollten halt wieder die Konditionen stimmen … Je gesalzener die Suppe, je schärfer die Nudeln, je spitzer das Scheit – man kam sich näher bei den Verhandlungen, und so werden sich die beiden Nachbarvereine aus der ehemaligen politischen Gemeinde Wambach als Blutsbrüder und -schwestern beim Fest wieder bestens ergänzen.
Über 200 Mitglieder – Schützinnen und Schützen – hat der Wambacher Verein heute im Jahre 2024, er ist damit der mitgliederstärkste im Schützengau Dorfen. Dort schätzt man vor allem die Jugendarbeit der Wambacher, die ihre Erfahrung auch in den Gauverband einbringen. Aktuell heißen die beiden Schützenmeister Gerhard Grasser und Anton Kronseder jun., eine Jugendmannschaft tritt bei den Wettbewerben an, zwei Pistolen-Quartette und vier Luftgewehr-Teams sind am Start.

Der Wambacher Schützenverein sei für seine Mitglieder von Generation zu Generation „zu einem Lebensraum“ geworden, „den sie als ein Stück Heimat empfinden durften“, schreibt Landrat Martin Bayerstorfer in seinem Grußwort für die Festschrift. Und der Schirmherr, Bürgermeister Stefan Haberl, betont in seinem Beitrag: „Wenn wir in der Welt zu Hause sein wollen, müssen wir auch einen Platz haben, an dem wir daheim sind. (…) Wichtig und wertvoll ist mir, dass vor allem viele junge Menschen diese Erfahrungen machen dürfen. Sie lernen im Verein soziale Kompetenz, den Wert des Gemeinschaftssinnes und den Wert aktiver Mitarbeit kennen. Das sind Haltungen und Eigenschaften, die unsere moderne Bürgergesellschaft mehr denn je braucht.“
Wohlan, dann wollen wir feiern! Daheim, mit der Welt! Wambach, ein Dorf am Rande als Ort der Mitte, Ober- mit Niederbayern verbindend, freut sich, ein fröhlicher Gastgeber zu sein. Jede und jeder ist willkommen. Rund 30 Vereine aus Wambach und der Umgebung werden beim Festzug am Sonntag, 26. Mai, durch das Dorf ziehen und erst zusammen Gottesdienst mit Bändersegnung feiern, um danach im Festzelt weiterzumachen. Zuvor ist am Freitag bereits das Wein- & Weißbierfest angesagt.
Die Festschrift mit Grußworten, der Vereinsgeschichte und Bildern von einst und heute erscheint passenderweise im örtlichen via verbis verlag. Dort lernt man dann dieses „Wundersame Wambach“, wie die Süddeutsche Zeitung in einem Sonderdruck für ihren Redakteur Hans Kratzer zum Abschied titelte, noch ein bisserl besser kennen.
_Markus Tremmel

