Bilder aus vergangenen Tagen – Die Elektrizitäts-Genossenschaft Taufkirchen a. Vils e.G.m.b.H

Gegründet 1919

Noch über den ersten Weltkrieg hinaus wurden in Taufkirchen abends in den Stuben Petroleum- und Karbidlampen entzündet und mit Kerzenlicht ging man zu Bett. Eine Gasbeleuchtung gab es hier nie, auch keine Straßenbeleuchtung.

Anfang 1919 gründeten schließlich 15 unternehmensfreudige Männer aus Taufkirchen und Umgebung eine Elektrizitäts-Genossenschaft.

Zu den „Lichtpionieren“ gehörten damals u.a. folgende Personen:

Barth. Schwarzbötzl als Vorstand, Georg Weiher als Rechner, Adolf Reichel und der Lederer Weber. Paul Angermaier wurde zum technischen Leiter und Johann Krug als Monteur berufen.

Tatkräftig wurden die Arbeiten in Angriff genommen und von Velden her eine 2.000-Volt-Hochspannungsleitung gebaut. Den ersten Transformator errichtete man im Schwarzbötzl-Garten, in der Nähe des Schlossweihers. Die ersten Hausanschlüsse wurden beim Metzgerwirt, beim Mechaniker Reichl, beim Georg Weiher, beim Barth. Schwarzbötzl und bei der Brauerei installiert.

Am Pfingstsamstag (7. Juni) des Jahres 1919, nachmittags um 3 Uhr, drückte dann der Monteur Johann Krug im Transformatorenhaus auf den Schalthebel und der Strom schoss in das Ortsnetz. An dem Abend brannten dann zum ersten Mal in Taufkirchen elektrische Lampen und es wurde eine große Lichtfeier abgehalten.

Der Strom wurde über die Firma Pfisterhammer in Bodenkirchen durch die Ostbayerische Stromversorgung AG (Oststrom-AG) geliefert.

In der Folgezeit baute die Genossenschaft das Anschlussnetz im Ort und weit in die Umgebung aus, so dass nach 10 Jahren nur noch vereinzelt ein Haus ohne Strom war. In der Umgebung wehrten sich lediglich Flaring, Solching und Frauenvils am längsten gegen die moderne Errungenschaft.

Von Beginn an gab es allerdings auch technische Schwierigkeiten. So stand der Strom in dem benötigten Umfang nicht immer regelmäßig zur Verfügung. Dies war wahrscheinlich auf das schlechte Nachkriegsmaterial der Leitungsdrähte und Isolatoren zurückzuführen. Die Elektrizitäts-Genossenschaft stellte deshalb zusätzlich einen 120-PS starken Dieselmotor und ein Notstromaggregat auf. Die Maschine, die über 500 Zentner wog, wurde in Frontenhausen gekauft und musste auf verschneiter und zum Teil schon matschiger Straße auf einem Schlitten von 12 Pferden nach Taufkirchen gezogen werden.

Bald errichtete man auch eine Straßenbeleuchtung, zunächst an wichtigen Stellen wie über dem Marktplatz, an der Apotheke, beim Eberle und beim Metzgerwirt. Anfangs waren es etwa 10 Leuchten, Zug um Zug wurde die Straßenbeleuchtung dann aber verbessert.

Die Elektrizitäts-Genossenschaft Taufkirchen existierte nur 12 Jahre. 1931 wurde die Genossenschaft aufgelöst und die gesamte Anlage an die Ostrom-AG verkauft. _Archiv-Team

Veranstaltungshinweis

Filmvorführung: „Stätten der inneren Einkehr“, Dauer: 95 Min. Der Film zeigt die Grotte am Seilerweg und die Kapellen in Taufkirchen-Kellerstraße, in Brügelsöd, Ratzing, Aham, Bogenstorf, Großschaffhausen Thal bei Dorfen, Oberhofkirchen, Fenkenöd, Wicheling sowie die Waldkapellen bei Reimering, am Zwergerlwald und bei Schnirklaich.
So 03.05.2026, 14.30 Uhr
Heimatkundliches Gemeindearchiv