150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Moosen (Vils)

Die erste Feuerspritze der Gemeinde Moosen muss bereits in den Jahren nach der Gründung im Einsatz gewesen sein und ist noch erhalten.

Es war ein Sonntag im Juni 1876 (nach zweiter Quelle war es der 15.08.1876, also Christi Himmelfahrt). Vielleicht hatten sich die elf Männer aus Moosen (Vils) an diesem Tag schon am Morgen im Gottesdienst gesehen. Später kamen sie im Wirtshaus zusammen – und schrieben Dorfgeschichte: Sie gründeten die Freiwillige Feuerwehr Moosen. Mehrere Monate später wurde die Gründung auch dem Königlichen Bezirksamt Erding gemeldet. Das Schreiben des damaligen Moosener Bürgermeisters – die Gemeinde sollte noch rund 100 Jahre eigenständig bleiben – liegt heute im Münchner Staatsarchiv. Strom und Telefon gab es im Landkreis damals noch lange nicht, und bis die erste Dampflok in Moosen hielt, sollten noch 22 Jahre vergehen.

150 Jahre später soll die Gründung groß gefeiert werden. Mit Reels auf Instagram werben die rechnerischen Ur-Ur-Enkel der Gründer heute für die fünftägige Festwoche, Tickets für den Kabarettabend mit Sara Brandhuber gibt es per QR-Code. Im Einsatz funken die heutigen Floriansjünger digital, löschen mit moderner Technik und kontrollieren Brandherde mit Wärmebildkameras. In nur fünf Generationen hat sich die Welt so sehr verändert, dass die Männer von 1876 bei einem heutigen Einsatz wohl kaum mehr zurechtkommen würden.

Und doch wäre es falsch zu glauben, die Gründer hätten in stillen, unbewegten Zeiten gelebt. Auch ihre Jahre waren von großen Umbrüchen geprägt. Otto von Bismarck war damals der wohl bekannteste Mann Deutschlands, und das Deutsche Reich war gerade erst fünf Jahre alt. Mit der Reichsgründung veränderten sich Staat und Verwaltung, und auch das Bedürfnis nach öffentlicher Sicherheit wuchs. Große Brände waren keine Seltenheit. Zwar waren die Bürger verpflichtet, im Ernstfall zu helfen – doch ohne Ausbildung, feste Abläufe und einheitliche Ausrüstung blieb vieles behelfsmäßig.

So entstanden in vielen Orten Freiwillige Feuerwehren. Das Vereinswesen blühte auf, und mit ihm der Wunsch, Verantwortung gemeinsam zu tragen. In Bayern wurde die erste Freiwillige Feuerwehr 1849 in Augsburg gegründet. Auch technisch tat sich viel: Feuerspritzen auf Rädern erleichterten die Brandbekämpfung und machten sie wirkungsvoller.

Das erste motorisierte Fahrzeug war eine Dodge aus dem Fuhrpark der US-Armee.

Wann die Moosener ihre erste solche Spritze anschaffen konnten, liegt heute im Dunkel der Geschichte. Aus den wenigen erhaltenen Aufzeichnungen geht aber hervor, dass die eigenständige Gemeinde neun Jahre nach der Gründung bereits 100 Feuerwehrmänner bei 695 Einwohnern zählte – und rund 240 Meter Schlauchmaterial besaß. Da es damals im Dorf noch keine Wasserleitung gab, wie Birgit Lang, Moosener Journalistin und Chronistin des Jubiläums schreibt, ergibt das nur mit einer Feuerspritze Sinn. Dieses erste professionelle Löschgerät ist bis heute erhalten und wird für das Jubiläum restauriert. Auch die antike Spritze der damaligen Nachbarwehr Hubenstein, die 1936 in der Moosener Wehr aufging, soll bei der 150-Jahr-Feier zu sehen sein.

Technisch blieb Moosen lange Zeit nur mit dem Nötigsten versorgt. Zwar war 1876 schon der Viertaktmotor erfunden, doch die erste Motorspritze wurde erst 1947 angeschafft – mit eigenen finanziellen Mitteln. Ein Feuerwehrball und eine Lotterie brachten damals mehr als 5000 Mark ein und machten die Anschaffung möglich.

Auch das wohl erste Feuerwehrfahrzeug im Ort wurde nicht einfach aus der Gemeindekasse bezahlt. Es stammte aus dem Fuhrpark der US-Armee und wurde erneut durch das Engagement der Feuerwehr finanziert – mit Einnahmen aus Ball, Glückshafen und einem Pferderennen. Erst als dieses Geländefahrzeug 20 Jahre später durch einen Unimog ersetzt wird, zahlt die Gemeinde. Allerdings nicht mehr die Moosener, sondern die Gemeinde Taufkirchen (Vils), in die man zum Jahreswechsel 71/72 eingemeindet wurde.

Stöberten bei den Vorbereitungen zum Jubiläum in historischen Dokumenten, Aufzeichnungen und alten Fotoalben (v.l.): Stefan Prey (Schriftführer), Martin Außerbauer (Vorsitzender) und Christian Kronseder (Kommandant)

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Wehr Schritt für Schritt moderner. Das Feuerwehrhaus im Pfarrstadl wurde ab 1980 ausgebaut, 1983 verbesserte eine neue Dachsirene auf dem Raiffeisen-Lagerhaus die Alarmierung entscheidend. Zuvor lief der Alarm noch über das Telefon im Gasthaus Zuhr – und der Wirt musste im Ernstfall auch noch die alte Sirene per Hand ankurbeln. Heute kaum mehr vorstellbar, damals aber Alltag.

So wurde dann auch in der Nacht zum 01.03.1990 alarmiert, zu einem der aufsehenerregendsten Einsätze der jüngeren Vergangenheit: Der Orkan Wiebke hatte die Spitze des Maiselsberger Kirchturms in ein angrenzendes Gebäude gerissen. Ein Jahr später erhielt die Wehr ein LF 8, 1997 kam ein Mannschaftstransportfahrzeug hinzu. Heute rücken 67 Aktive zu bis zu 30 Einsätzen im Jahr aus – mit dem Mannschaftstransporter „Burly“ von 2014 und dem LF20 von 2021. Das Fahrzeug bringt neun Feuerwehrleute, moderne Technik und 1600 Liter Wasser zur Einsatzstelle, erklärt Kommandant Christian Kronseder. Er führt die Mannschaft, in der derzeit nur eine Frau aktiv ist und auf Verstärkung wartet, seit 2015.

Kronseder steht in einer langen Reihe von Männern, die die Feuerwehr Moosen geprägt haben. 17 Jahre lang, bis kurz nach der NS-Zeit, war Franz Wimmer Wehrführer. Ihm folgte Josef Seidl, der die Wehr über mehr als zwei Jahrzehnte mitgestaltete. Der Name Seidl taucht schon 1926 beim 50-jährigen Gründungsfest auf: Der damalige Schuhmachermeister Josef Seidl war Vorsitzender und, wie es in einer Chronik heißt, die „Seele der Veranstaltung“. 2009 endete schließlich die Ära Seidl, nachdem Johann Seidl 27 Jahre lang an der Spitze des Vereins gestanden hatte. Fast parallel dazu war Siegfried Meilinger 34 Jahre lang Kommandant – bis in dieses Jahr.

Bei aller Technik, bei aller Geschichte und bei allen Einsätzen ist die Freiwillige Feuerwehr in Moosen aber noch immer mehr als eine Organisation für den Ernstfall. Sie ist seit 150 Jahren ein fester Teil des Dorflebens. „Wenn wir jedes Jahr unser Sonnwendfeuer anzünden, kommt das ganze Dorf zusammen“, sagt Martin Außerbauer, seit 2009 Vorsitzender des Vereins. Christbaumversteigerungen, Faschingsbälle, Grillfeste – vieles, was Moosen zusammenhält, ist mit der Feuerwehr verbunden. Oder anders gesagt: Ohne die elf Mann von 1876 wäre das Gemeindeleben über die vergangenen eineinhalb Jahrhunderte ärmer gewesen.