UND WARUM DIE VAKANZ NICHT FEHLENDE ELEGANZ SEIN MUSS
August, wir nehmen Urlaub. Viele sind schon weg, wie der Name sagt: Urlaub – die Erlaubnis, sich zu entfernen. Von Erholung steckt in diesem deutschen Wort übrigens nichts …, während romanische Sprachen das lateinische vacare (leer sein, frei sein) zugrunde legen. Auch hierzulande mag man einst in die Vakanz gegangen sein. Aber Urlaub und leer? Nicht als Deutscher!
Als Reisen noch bildete, war ja auch nicht von Gaudi die Rede. Erst die Industrialisierung brachte die Forderung nach Freizeit mit sich. Einst taugten dazu die kirchlichen Feste, die Ferien. Die mussten nicht zusammenhängend sein, ans sich weiter Entfernen dachte man noch nicht.
Schulkinder haben Ferien. Das verband man erst recht nicht mit sich Entfernen: Im bäuerlichen Bayern sollten die Kinder bei der Ernte helfen, darum hatten (und haben) sie im August / September frei, aber keinen Urlaub. Freilich fährt man inzwischen bevorzugt in den Sommerferien in den Urlaub. Außer die Landwirte. Die fahren aufs Feld.
Ein Appell an dieser Stelle: Geben wir uns im Urlaub nicht als Gemeindebürgerinnen und -bürger aus Taufkirchen aus! Man erkennt uns (Deutsche) ohnehin immer drei Kilometer gegen den Sonnenaufgang als solche: Weil wir überall Rucksäcke tragen, als gelte es, eine Alpenüberquerung zu bestehen – dabei flanieren (welch elegantes Wort am falschen Platze) wir durch Siena. Wir sind stets ausgerüstet mit Wasserkanistern, als wanderten wir drei Wochen verdurstend durch die Sahara. Wir tragen Outdoor, als starteten wir mitten in Paris auf eine fußläufige Weltumrundung.
Ja, wir haben natürlich Programm! Und wir wollen auch nicht für jeden kleinen Durst ein Tagesgehalt ausgeben. Aber müssen wir stets für Sonneregenhagelblitzunddonnerweltuntergang gerüstet sein? Großstadtdschungel ist auch nur so ein Ausdruck, der ist nicht wörtlich gemeint! Und warum kann man auch als Tourist, insbesondere als Mann, nicht einfach eine schöne, leichte Hose und ein dazu passendes (!) Hemd tragen?
Urlaub / Ferien 2026: Erlauben wir uns, freizumachen vom betont-greislichen Freizeitstresslook, gehen wir mit ein bisserl Stil durch die Welt, versuchsweise inkognito – bis die Menschen, die wir in unserem Urlaub besuchen, sagen: Die Taufkirchener sind irgendwie keine typischen Deutschen! Dann passts!
_Markus Tremmel
