Die Orgelbauwerkstatt von Georg Deutinger

In einem ehemaligen landwirtschaftlichen Stall ist in den vergangenen Jahren eine besondere Werkstatt entstanden: die Orgelbauwerkstatt von Georg Deutinger. Der 32-jährige Familienvater hat sich hier einen Ort geschaffen, an dem traditionelles Handwerk, musikalisches Feingefühl und große Leidenschaft aufeinandertreffen. Wer die Werkstatt betritt, spürt schnell: Hier geht es nicht um industrielle Fertigung, sondern um echte Handarbeit – und um die Liebe zur Musik. „Den Rest mache ich mit den Händen und mit dem Kopf“, sagt Deutinger schmunzelnd, während er zwischen Hobelmaschine, Kreissäge und Werkbank steht.
Vieles erinnert an eine klassische Schreinerei, doch tatsächlich entstehen hier hochkomplexe Musikinstrumente. Eine Orgel ist ein Zusammenspiel aus Holzverarbeitung, Mechanik, Pfeifenbau und Klanggestaltung – ein kunsthandwerklicher Beruf, der höchste Präzision verlangt. Besonders wichtig ist ihm dabei die traditionelle Arbeitsweise. Maschinen unterstützen, doch entscheidend bleibt die Handarbeit: „Ich will das Instrument mit meinen Händen bauen. Eine Orgel soll Charakter haben.“
Ein Schülerpraktikum brachte ihn erstmals mit dem Beruf in Kontakt. „Als ich die Woche beendet hatte, wusste ich, das werde ich machen.“ Nach seiner Ausbildung in München, Stationen im In- und Ausland und der Meisterschule machte er sich 2018 selbstständig. Seit 2023 arbeitet er in seiner heutigen Werkstatt. Der Beruf verlangt viel: handwerkliches Geschick, musikalisches Verständnis und Ausdauer. „Man arbeitet oft mehr als 50 Stunden die Woche und ist viel unterwegs“, erzählt Deutinger offen. Auch wirtschaftlich ist die Branche herausfordernd, Nachwuchs ist rar. Dennoch steht für ihn fest: „Ich mache meine Arbeit wirklich gern. Ich kann das – und für mich ist das das Richtige.“
Bis eine Orgel erklingt, vergehen viele Monate. Allein die Planung kann mehrere hundert Arbeitsstunden in Anspruch nehmen. Danach wird jedes einzelne Bauteil gefertigt, von unten nach oben entsteht so Stück für Stück das Instrument. Ein besonderer Moment ist für Deutinger immer wieder aufs Neue das Erklingen des ersten Klangs: „Da stecken tausende Stunden Arbeit drin – und dann hört man zum ersten Mal, ob alles funktioniert. Das ist einfach tiefbewegend.“ Ein herausragendes Beispiel seiner Arbeit ist die Mitarbeit an der neuen Orgel in der Dorfener Marktkirche von Christoph Weber. Rund 1.500 Arbeitsstunden investierte er allein in dieses Instrument, insgesamt arbeiteten etwa zehn Fachleute daran. Die Orgel orientiert sich stilistisch an italienischen Frühbarockinstrumenten und wurde bewusst in historischer Bauweise gefertigt. Ein Herzstück ist die von Deutinger aufwendig gebaute Balganlage, die die Orgel mit Wind versorgt. „Das ist wirklich ein Meisterwerk geworden“, so Kirchenmusiker Ernst Bartmann. „Man kann sie wie vor ein paar hundert Jahren per Hand bedienen – die Orgel funktioniert also komplett ohne Strom, auch wenn ein Motor vorhanden ist.“ Diese konsequente Bauweise mache das Instrument weit über die Region hinaus einzigartig.
Bartmann ergänzt: „Der Georg ist ein ganz großer Meister seines Fachs. Wir können stolz sein, dass so etwas in unserer Region entstanden ist und es ist eine riesige Freude, darauf zu spielen.“
Trotz solcher Erfolge blickt Deutinger auch realistisch auf seine Branche. Viele gut ausgebildete Fachkräfte verlassen den Beruf, weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwierig sind. Dennoch bleibt seine Begeisterung ungebrochen. Vielleicht, so hofft er, findet sich irgendwann auch ein Lehrling für seine Werkstatt. „Wenn jemand wirklich Interesse hat, würde ich gerne ausbilden.“ Was bleibt, ist die Leidenschaft. „Es geht um die Musik“, sagt Deutinger. „Wir bauen ein Instrument, das im Idealfall über Jahrhunderte besteht und die Menschen berührt.“
Kontakt
Orgelbau Georg Deutinger Meisterwerkstatt für kunsthandwerklichen Orgelbau Stimmung – Reparatur – Pflege – Renovierung – Neubau Vötting 3, 84416 Taufkirchen (Vils) Mobil 0151 28782423 georg@orgelbau-deutinger.de, www.orgelbau-deutinger.de
Veranstaltungshinweise
- Einweihung der Orgel
Sonntag, 12.04.2026
Gottesdienst um 10.00 Uhr
Einweihungskonzerte um 15.00 Uhr und 17.00 Uhr - Orgelsymposium
27. – 31.05.2026
Mit Konzerten, Vorträgen und Meisterkursen – ein musikalisches Highlight für die gesamte Region.
Weitere Infos unter: www.caecilienverein-dorfen.de
