… AKKURAT EIN VORBILD DER DEMOKRATIE SIND
Vor den Kommunalwahlen am 08. März wählen die katholischen Pfarreien in vier Wochen am 1. März, ihre Pfarrgemeinderäte neu. Man unterschätzt die Rolle der Pfarreien etwas, vor allem, wenn man sie nur religiös betrachtet. Sie sind in gewisser Weise vielleicht wichtiger als die politischen Kommunen.
Pfarreien sind die ältesten, meist seit 1.000 Jahren unverändert bestehenden Einheiten, in denen wir uns verorten und organisieren. Gemeinde-, Landkreis-, Landesgrenzen haben sich immer wieder verändert und verschoben – Pfarreigrenzen so gut wie nicht. Es mögen Pfarrverbände und Dekanate neu geordnet werden, die Pfarrei als Basiseinheit bleibt. Und sie wurde dadurch oft grenzübergreifend und verbindend.
Die Pfarrei Wambach, als Beispiel, erstreckt sich heute bis über eine Bezirksgrenze hinweg aus der Gemeinde Taufkirchen hinein in die Gemeinden Hohenpolding, Baierbach und Neufraunhofen. Weshalb man in Osenwinkel (Pfarrei Wambach, Gemeinde Neufraunhofen, Landkreis Landshut, Bezirk Niederbayern) folgenden Spruch kennt: „Mia han lebendige Niederbayern – und gstorbne Oberbayern.“
Soziologisch gesehen haben unsere (zumindest dörflichen) Pfarreien akkurat jene Größe an Mitgliedern, die mit einigen wenigen Hundert Menschen als eigene soziale Gruppe überschaubar ist. Weshalb ich die Pfarrei auch als kleinste politische Einheit definieren würde. Es wird nach dem Gottesdienst vor der Kirche oder beim Stammtisch ja ohnehin eher selten über die Predigt als vielmehr über die Politik dischkriert …
Man sollte diese politisch-religiöse Doppelfunktion einer Pfarrei nicht unterbewerten. Umso wichtiger und schöner, dass sich kürzlich zwölf Frauen und Männer aus dem Pfarrverband Taufkirchen als neue Wortgottesdienstleiterinnen und -leiter beauftragen haben lassen! Sie und die künftigen Pfarrgemeinderäte werden dazu beitragen, das Miteinander in unseren Pfarreien zu erhalten. Und, nebenbei: Mit einer christlichen Basis weiß man auch, dass der Kirchturm eine wichtige Orientierung gibt, Kirchturmpolitik aber gerade nicht das ist, was die Welt braucht. _Markus Tremmel
