40 Jahre JUGI Taufkirchen (Vils)

Zahlreiche JUGI-Generationen feiern das Jubiläum

Knappe Duelle an klebrigen Tischkicker-Griffen, Musik – selbstgemacht oder bei Konzerten, an die sich auch die Nachbarschaft erinnert, und enge Freundschaften: Über stolze vier Jahrzehnte, in denen zahlreiche “Jugi-Generationen” das Taufkirchener Jugendzentrum nach ihren Vorstellungen geführt und gestaltet haben, ist einiges gleich geblieben. „Es war eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte“, denkt Rainer Fiedler, der Mitte der 90er im Vorstand mitwirkte, an seine Jugi-Zeit zurück. Beim Jubiläumsfest am 13.09.2025 begegneten sich Jugendliche, “Alt-Jugis” und Gemeindeverantwortliche, um Erinnerungen zu teilen und das selbstverantwortliche Erwachsenwerden zu feiern.

Doch der Weg zum Verein und einer Bleibe war lange und schwierig. Ende der 70er Jahre berichtete die lokale Presse über die angestrengte und erfolglose Suche nach einem Raum für ein Jugendzentrum. Zahlreiche Sitzungen befasste sich der Gemeinderat unter Bürgermeister Konrad Maier mit dem Antrag, Räumlichkeiten vor allem für Jugendliche, die keinem Verein angehören, zu schaffen. Die Möbelfabrik himolla, die Brauerei und das Pfarrheim wurden erörtert, sogar ein Neubau in der Schloßfeldstraße stand zur Debatte.

1981 stand endlich fest, dass das Jugendzentrum in einem neu zu schaffenden Anbau an das damalige Rathaus kommen soll. Doch ein Gutachten, das schlicht keinen Bedarf an solch einer Einrichtung sah, machte Fördergelder unmöglich und zerschlug so diese Lösung. Die bereits vier Jahre andauernde Suche, die die Süddeutsche Zeitung bereits als “Odyssee” bezeichnete, ging weiter. Und die Motivation der Jugendlichen, einen Treffpunkt für sich bei der Gemeinde einzufordern, lahmte mittlerweile.

1983 war im Dorfener Anzeiger zu lesen, dass sich an einer Podiumsdiskussion im Weißbräusaal nur mehr 20 Jugendliche beteiligten. Diese vertraten hart ihre Interessen, auch wenn sie wieder erfuhren, dass für das Projekt “kein Geld da” war. Als Sprecherin trat unter anderem Vicky Petri, damals Becker, auf. “Eine Clique” um Petri, wie sie später sagt, gründete daraufhin den Offenen Jugendverein Taufkirchen. Sie selbst wurde erste Vorsitzende. Einen ersten Raum fanden die Jugendlichen im Dezember 1988 in der alten Molkerei am Bahnweg. Von Anfang an hatte die Inhaberfirma Meggle betont, dass dies eine Übergangslösung bleiben muss, und so finden sich bereits in den archivierten Zeitungen von 1990 neue Artikel zur Suche nach einer Bleibe für den Jugendverein. Das alte Wasserwerk und das durch den Neubau gerade frei gewordene Feuerwehrhaus waren jetzt in der engeren Auswahl. Letzteres wurde dem Verein 1994 mit einem Mietvertrag und einer Hausordnung überlassen.

Die Umbauarbeiten nahmen die Jugendlichen – eine neue Generation um die Vorsitzenden Michael Rable, Matthias Hils, Marion Lehner und Rainer Fiedler – selbst in die Hand. „Vor der großen Renovierung haben wir noch eine Beachparty gefeiert und dafür den Boden des Obergeschosses mit mindestens fünf Zentimetern Sand bedeckt”, erinnert sich Rainer Fiedler lachend noch heute. Dann wurde gefliest und geschreinert, auch die finanziellen Mittel hatte sich diese Jugi-Generation selbst erarbeitet. „Mit den erfolgreichen Partys haben wir Geld eingenommen und gelernt, damit zu wirtschaften. Natürlich war der Antrieb immer das Gemeinschaftliche, daneben haben wir aber fürs Leben gelernt”, erzählt Fiedler, der später Veranstaltungstechniker wurde.

Die engen Freundschaften, die oft noch heute Bestand haben, festigten sich bei gemeinsamen Reisen nach Italien, zu denen “bis zu 40 Leute mit Anhängern voller Zelte und Biertischgarnituren” vom Jugi aus aufgebrochen waren. Das Verhältnis zwischen Gemeinde und Jugendverein, das durch die zehrende Suche nach Räumen, aber auch durch Vorkommnisse, wie das Auswechseln der Türschlösser durch den damaligen Bürgermeister, phasenweise angespannt war, besserte sich.

Franz Hofstetter stoß gleich zu Beginn seiner ersten Amtszeit den Kauf eines Teils der himolla-Lagergebäude in der Reckenbacher Straße an. Seit dem Ende der 90er hat das Jugi dort bis heute, nach zahlreichen Umbauten in Eigenregie, Bestand.

Hofstetter erinnert sich an die Anfangsphase in der Reckenbacher Straße: „Es war ein tolles Miteinander, mit besonderem Geist: unabhängig, frei und dennoch zupackend und gestaltend“. Mit angepackt wurde auch von den Jugendreferenten des Gemeinderats. Peter Zistler befreite die Jugendlichen mit seinem handwerklichen Können selbst an Wochenenden aus misslichen sanitären Situationen und Thomas Unterreitmaier leistete zahllose ehrenamtliche Stunden beim brandschutzbedingten Umbau.

Darüber hinaus blieb es bei der Selbstverwaltung. „Jugendliche müssen sich ausprobieren – und das muss man ihnen zugestehen“, sagt Altbürgermeister Franz Hofstetter dazu und erinnert sich, welche Früchte diese Freiheiten schon trug.

Die über die Landkreisgrenzen hinaus auftretenden Perfect Fellows arrangierten ihre ersten Songs im Jugendzentrum. Heute engagiert sich eine Freundesgruppe um den Vorsitzenden Jonas Brandl für den Jugendverein.

„Es ist schön, dass es was gibt, wo wir hinkönnen“, sagt er und erzählt von der Möglichkeit, hier Geburtstage zu feiern oder Farbspraydosen in die Hand zu nehmen, „ohne, dass gleich die Polizei vor der Haustür steht“. Über Neuzugänge sind der 25-Jährige und sein Team immer erfreut, denn „es ist schwer geworden, Teenager von Smartphone und Co. wegzubekommen“, sagt er. _Fabian Holzner