Der Heimatforscher Josef Heilmeier hat in seiner umfassenden und sehr interessanten Chronik auch über den Kriegswinter vor 80 Jahren berichtet. Seine Aufzeichnungen stammen aus verschiedenen Quellen, u.a. auch aus der Pfarrchronik. Nachstehend daraus einige Auszüge:
November 1944
Erstmals wird die Umgebung Taufkirchens zum Ziel feindlicher Bombenangriffe, oder man entledigt sich nur der tödlichen Fracht. Am 4. November wirft ein Flieger Bomben über Hofstätt und Johannrettenbach ab. Eine weitere Bombe schlägt neben dem Weg von Flaring nach Wetzling ein und hinterlässt einen riesigen Krater.
Dezember 1944
Anfang Dezember wird auf Anordnung ein Volkssturm gebildet. Alle waffenfähigen Männer zwischen 16 und 60 Jahren müssen ab sofort jeden Samstag um drei Uhr Nachmittag antreten, um sich militärisch ausbilden zu lassen. Es werden auch solche Männer verpflichtet, die bereits ausgemustert oder kriegsuntauglich erklärt worden sind.
Am 11. Dezember werden Schulkinder wegen Kohlenmangel nach Hause geschickt. Sie haben bis auf weiteres kältefrei.
Am 28. Dezember kreist wieder eine Schar feindlicher Flugzeuge über Taufkirchen. Um halb ein Uhr Mittag hört man plötzlich das Sausen einer Bombe und gleich darauf einen dumpfen Knall. Kurze Zeit später steigt über dem südlichen Ortsausgang dicker Rauch auf. Die Bombe war zwischen der Flaringer Kapelle und dem Bauer-Anwesen von Flaring mitten auf die Distriktstraße nach Dorfen gefallen. Sie hatte dort einen zehn Meter breiten und vier Meter tiefen Krater hinterlassen. Während die Kapelle unbeschädigt blieb, wurde vom Anwesen des Johann Bauer das halbe Dach abgerissen und die Fensterscheiben eingedrückt. Verletzt wurde niemand.
Januar 1945
In der Nacht vom 7. auf den 8. Januar wurde wieder München bombardiert. Das Grollen und der Lichtschein waren bis hierher zu erkennen.
Ende Januar wird in einem Keller im Kellerberg ein Luftschutzkeller eingerichtet.
Die Freiwillige Feuerwehr Taufkirchen (Vils) musste bei Bombenangriffen in München immer wieder Löschhilfe leisten. Nicht selten suchte die Mannschaft im Bombenhagel Schutz unter dem Löschfahrzeug und bei einem Einsatz in München/Giesing wurde dieses tatsächlich auch von einem Bombensplitter getroffen. Der Bombensplitter befindet sich heute im Heimatkundlichen Gemeindearchiv.
Februar 1945
Die seit dem 11. Dezember des Vorjahres angeordneten Kohlen-Ferien dauern bis zum 13. Februar an.
Am 22. Februar fliegen wieder eine Menge feindliche Flieger über Taufkirchen und werfen vereinzelt Bomben ab, die aber alle außerhalb der Gemeinde einschlagen.
Die ersten Flüchtlinge aus Oberschlesien kommen nach Taufkirchen.
Am 26. Februar berichtet die Oberin der Fürsorgeanstalt, ihr Haus ist mit Kranken total überfüllt. Momentan sind 435 Personen zu verköstigen.
März 1945
Am 13. März fliegen kurz nach Mittag 45 Minuten lang, von Südwesten kommend, feindliche Flieger in Richtung Landshut und Regensburg. Einer wirft dabei eine Bombe in den Wald zwischen dem Taufkirchner Friedhof und Kirchlern, welche einen Riesenkrater hinterlässt.
Auch im Wald südlich von Moosen fallen zwei Bomben.
Immer öfter muss die Bevölkerung die Luftschutzkeller aufsuchen, oft sogar mehrmals am Tag.
Ganz schlimm wird es am Josefitag (19. März) gegen halbzwölf Uhr Mittag. Nahezu vier Stunden lang ist das Motorengeräusch der meist viermotorigen Flugzeuge zu hören, die in Verbänden zu je sieben bis zehn Fliegern Taufkirchen in Richtung Osten überfliegen. In einem Wald, in der Nähe von Gebensbach, schlagen mehr als 30 Bomben ein. Die Feinde vermuteten dort wohl verstecktes Kriegsgerät.

Wegen des nicht mehr abreißenden Zustroms von Flüchtlingen aus Oberschlesien werden Ende des Monats die drei Schulsäle zu Flüchtlingslagern umfunktioniert. In jedem Schulsaal werden etwa 60 Frauen und Kinder untergebracht.
Schließlich werden auch noch das Gastzimmer und der Tanzsaal des Metzgerwirt mit Flüchtlingen belegt. Zusammen sind in der Gemeinde jetzt 700 Evakuierte und 245 Flüchtlinge untergebracht. Beim Wagnerwirt wird für sie gekocht. _Archiv Team
Der Bombensplitter wiegt exakt 963 Gramm und ist 27 cm lang. Er wurde bei Reparaturarbeiten im historischen Feuerwehrauto „Cilly“ gefunden.
Seit 2024 befindet sich das Exponat im Heimatkundlichen Gemeindearchiv.
Frühjahrs-Programm im Archiv
- Bilder-Vortrag über Alt-Taufkirchen, 1. Teil: Marktplatz, Kellerstraße, Bahnweg
Dauer 60 Min.
So 06.04.2025, 15.00 Uhr - Bilder-Vortrag über Alt-Taufkirchen, 2. Teil: Erdinger Straße, Attinger Weg,
So 04.05.2025, 15.00 Uhr - Hinweis: Für den Herbst plant das HGA weitere Bilder-Vorträge über Alt-Taufkirchen.
Mit dabei: Landshuter Straße und Dorfener Straße
