Verabschiedung von Pater Paul Krutschek

Mit dem Motorradgottesdienst am 16.06.2026 verabschiedete sich unsere Pfarrgemeinde von Pater Paul Krutschek, der das Gemeindeleben als Seelsorger über viele Jahre maßgeblich geprägt hat. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, Danke zu sagen und gemeinsam auf viele schöne Erinnerungen zurückzublicken. Während für ihn ab September ein neuer Lebensabschnitt in Moosinning beginnt, übernimmt mit Pater Dominik ein vertrautes Gesicht die Verantwortung in unserer Pfarrei.

Lieber Pater Paul Krutschek,

Als du am 03.01.2015 deinen Dienst im Pfarrverband Taufkirchen (Vils) angetreten hast, hast du uns einen Satz mitgebracht, der vielen bis heute in Erinnerung geblieben ist: „Ich möchte so sein, wie ich bin.“

Heute, nach all den Jahren, können wir als Gemeinde im Vilstal mit großer Überzeugung sagen: Du hast dieses Versprechen gehalten. Du bist dir immer treu geblieben – und genau das hat die gemeinsame Zeit mit dir so lebendig gemacht: farbenfroh, menschlich und manchmal wunderbar überraschend. Dass wir deinen Abschied ausgerechnet im Rahmen des 10. Motorradgottesdienstes feiern durften, ist kein Zufall. Es schließt einen Kreis, der schöner kaum sein könnte.

Erinnern wir uns an deinen Dienstbeginn: Ein Pfarrer, der in schwerer Motorradkluft anrauscht, Mitglied der Priester-Biker-Crew „God’s Guards“ ist und gleich im ersten Jahr einen Motorradgottesdienst mit großer Parade ins Leben ruft – das war für uns Taufkirchener anfangs durchaus gewöhnungsbedürftig. Ein Priester mit Lederweste, Motorradstiefeln – und das Messgewand nie weit entfernt. So etwas hatte das Vilstal bis dahin noch nicht erlebt.

Doch du hast uns schnell gezeigt: Glaube kann auch einen starken Motor haben. Du hast Motoren dröhnen lassen, um Menschen zu begeistern. Und aus Skepsis wurde Begeisterung – aus einem Experiment eine feste Tradition.

Schon dein Lebensweg machte deutlich, dass hier kein gewöhnlicher Seelsorger zu uns kam: Aufgewachsen in Polen, ausgebildet an einer Schule für Musik und Instrumentenbau – du hast von Anfang an gewusst, wie man die richtigen Töne trifft. Über Stationen in der Oberpfalz führte dein Weg schließlich zu uns nach Oberbayern. Und du hast nicht nur unsere Herzen erobert, sondern erstaunlich schnell auch unseren Dialekt.

Lieber Paul, du bist nicht nur in unserer Pfarrei heimisch geworden, sondern in der gesamten Region.

Zwischen Kirche und Kommune, die hier in Taufkirchen nicht nur Tür an Tür, sondern Seite an Seite wirken, bestand während deiner Amtszeit stets ein vertrauensvolles, freundschaftliches und konstruktives Miteinander. Dafür danke ich dir ganz ausdrücklich.

Du hast das gesellschaftliche Leben unserer Vilstalgemeinde nicht nur begleitet, sondern mitgestaltet.

Ob beim „Ozapfa“ auf dem Taufkirchener Volksfest, beim Faschingsumzug als unvergessener „Engel Aloisius“ oder bei zahlreichen Veranstaltungen unserer Vereine – du warst präsent. Nah bei den Menschen. Mittendrin statt nur dabei.

Auch den kirchlichen Segen hast du weit über die Kirche hinausgetragen: Neue Einrichtungen wie die Mittelschule, das Vilstalkinderhaus oder neue Feuerwehrfahrzeuge hast du gesegnet und ihnen damit einen guten Start mitgegeben. Dass du selbst aktiver Feuerwehrmann bist, zeigt noch einmal besonders, wie tief du in unserer Gemeinde verwurzelt bist.

Lieber Paul, du hast uns gezeigt, dass Kirche nicht verstaubt sein muss.

Wenn Not am Mann war, hast du kreative Wege gefunden. Legendär bleibt dein Einsatz in der Coronazeit: Als Begegnungen kaum möglich waren und viele Menschen Unsicherheit und Isolation erlebten, entstand das sogenannte „Sternsinger-Mobil“.

Unvergessen: Du bist mit dem Auto und Lautsprechern durch unsere Ortschaften gefahren, um den Menschen den Segen direkt vor die Haustür zu bringen. Das war mehr als Kreativität. Das war Nähe. Das war Trost. Das war Seelsorge in einer besonderen Zeit.

Oder wie du ganz selbstverständlich deinen freien Montag geopfert hast, um als Taxifahrer zu arbeiten – damit die Rom-Wallfahrt deiner Ministrantinnen und Ministranten möglich wurde. Das ist gelebte Nächstenliebe. Nicht als Wort – sondern als Tat.

Besonders beeindruckend war dein Einsatz für diejenigen, die oft nicht im Mittelpunkt stehen. Für dich war Integration nie ein Schlagwort, sondern eine Herzensangelegenheit.

Ein ganz besonderes Zeichen deines Wirkens ist dein langjähriges Engagement für die Kinder der Sankt-Nikolaus-Schule aus Erding: Seit vielen Jahren begleitest und organisierst du dort die Erstkommunion und Firmung für Kinder mit Förderbedarf – und gibst ihnen selbstverständlich ihren Platz in der Mitte der Kirche. Mit unendlicher Geduld, Wärme und Empathie hast du diese Feiern zu echten Höhepunkten im Leben der Kinder und ihrer Familien gemacht.

Wer den Anspruch hat, authentisch zu bleiben, der eckt auch an. Du warst nie ein Pfarrer, der ausweicht oder beschwichtigt. Wenn es um deine Überzeugungen ging, hast du klar Stellung bezogen.

Als du im Oktober 2018 die Kirchenglocken von Pauli Bekehrung läuten ließest, um ein Zeichen für Demokratie, Menschlichkeit und Zusammenhalt zu setzen, wurde das kontrovers diskutiert.

Auch deine „scharfe“ Faschingspredigt 2026 gegen populistische Tendenzen hat nicht jedem gefallen. Aber genau das gehört zu einem Hirten.

Du hast Haltung gezeigt. Du hast Reibung ausgehalten – weil dir die Menschen, unsere Demokratie und das friedliche Miteinander am Herzen liegen.

Du hast uns vorgelebt, dass Glaube nicht nur am Sonntag stattfindet, sondern im Alltag eine Stimme haben muss.

Dafür gebührt dir mein großer Respekt – auch persönlich als Bürgermeister.

Lieber Paul, du verlässt Taufkirchen – und hinterlässt tiefe Spuren. Viele von uns kennen dich als jemanden, der auch gerne zu Fuß unterwegs war – oft in den frühen Morgenstunden, wenn die Gemeinde gerade erwachte. Nie allein, immer begleitet von deiner treuen Labradorhündin Bella.

Damit du die Wege unserer Gemeinde niemals vergisst, schenkten wir dir ein besonderes Erinnerungsstück: Ein Gemälde des Künstlers Bodo Gsedl – mit dem Wegkreuz von Breitenweiher. Ein Stück Heimat für deinen weiteren Weg.

Für deine Zukunft möchten wir dir noch einige Dinge mitgeben:

Behalte deinen Mut. Bleibe geradlinig, authentisch – und im besten Sinne ungewöhnlich.

Behalte dein großes Herz. Für die Menschen, die dich brauchen – und für alle, die dazugehören.

Behalte deine Lebensfreude. Sie hat deine Art geprägt und viele Menschen angesteckt.

Bleibe dir selbst treu. Versuche nicht, jemand anderes zu sein – geh deinen eigenen Weg.

Und vergiss uns nicht. Du, Bella und deine Gold Wing – ihr seid hier in der Vilsgemeinde jederzeit herzlich willkommen.

Lieber Pater Paul, danke für deinen Dienst, für deine Menschlichkeit, für deinen Mut und für die vielen Spuren, die du in unserer Gemeinde hinterlassen hast.

Im Namen der Gemeinde Taufkirchen (Vils): Vergelt’s Gott für alles und Gottes reichen Segen für deinen weiteren Weg, der dich ab September nach Moosinning in den Pfarrverband St. Anna im Moos-rain führt. An dieser Stelle möchte ich zudem schon jetzt deinem Nachfolger Pater Dominik Sobolewski alles Gute für seine Rückkehr nach Taufkirchen (Vils) wünschen.

Erster Bürgermeister Stefan Haberl